König Arktur, die schöne Cassiopeia und der grosse Bär

Wie friedlich und still sieht der Sternenhimmel aus, gerade so, als rührte und regte sich dort nichts. Aber schaut man genauer hin, erkennt man ein mächtiges Ungetüm: 

Den Grossen Bären.

Am Nordhimmel muss er immerzu im Kreise trotten, und zwei Jagdhunde sind ihm dicht auf der Spur. Er versucht sich zu verstecken, und viele Menschen erkennen ihn gar nicht, sondern sehen nur sieben helle Sterne, die sie den Grossen Wagen nennen.

 

Wer aber in einer klaren Nacht seine Augen ein wenig anstrengt, dem zeigt sich: Die Wagendeichsel ist in Wirklichkeit der Schwanz des Bären, der zur anderen Seite hin seinen Kopf vorstreckt und seine Sternentatzen in den nachtblauen Himmel krallt. Deutlich sieht man: Er will sich verstecken oder davonlaufen! Dicht hinter ihm funkelt Arkturos, der Bärenhüter. Eine feine Sternenpeitsche schwingt er über dem Bärenschwanz. Wie diese beiden an den Himmel kamen, das hat sich so zugetragen:

 

In alten Zeiten wohnten auf Erden die wunderschöne Königin, Cassiopeia. Der König liebte seine Gemahlin sehr und liess von den geschicktesten Goldschmieden eine Krone für sie anfertigen. Das Schönste an der Krone waren die sieben hellen Edelsteine. Wenn Cassiopeia die Krone trug, wurden bei ihrem Anblick die Traurigen froh und die Kranken gesund, so gross war der Glanz der Schönheit, der von ihr ausging.

Ein Zauberer, der im gleichen Land lebte, wollte die schöne Cassiopeia für sich, die guten Feen aber hatten ihm das immer zu wehren gewusst.

 

Einmal, im Sommer- die Sonne war eben untergegangen und die Dämmerung brach herein-, ging Cassiopeia im Wald spazieren. Plötzlich hörte sie hinter sich im Gebüsch ein Knacken und Rascheln wie von grossen Tritten. Cassiopeia dachte, es sei ihr Gemahle. Sie drehte sich um und wollte ihm entgegen rennen. Plötzlich entdeckte sie aber zwischen den Sträuchern und Bäumen ein mächtiges Tier, einen Bären der auf sie zu trottete. Die Königin erschrak zu Tode und rannte um Hilfe schreiend davon. Schliesslich kam sie zu einem Fluss und watete in ihrer Angst bis zu den Schultern ins Wasser.

 

Der Bär blieb plötzlich stehen, drehte sich um und verschwand im Dickicht. Der König hatte ihn vertrieben. Als der König nämlich von der Jagd zurückkehrte erkannte er in Laub und Moos etwas Funkelndes. Als er genauer hinsah, erkannte er die Krone mit den sieben hellen Edelsteinen seiner Gemahlin. Er dachte gleich, dass ihr etwas zugestossen sei und hörte sogleich auch die Hilferufe der Königin. Er eilte über Stock und Stein, und seine zwei Hunde liefen voraus und wiesen den Weg. Schliesslich- die Sterne waren schon aufgegangen- kam er an den Fluss und sah die schöne Cassiopeia, wie sie in Not und Angst ihre schneeweissen Arme über die Wasserfluten emporreckte.

 

Der König konnte die Königin retten und merkte dann, dass der Bär niemand anders gewesen war als der böse Zauberer, der diese Gestalt angenommen hatte, um die Fee und sie alle zu täuschen.

 

In der darauffolgenden Nacht kam die Fee zu ihr und sprach: „Sieh auf zum Himmel gegen Mitternacht! Zum ewigen Andenken an deine glückliche Rettung vor dem Bären-Untier wurde das, was dir zugestossen ist, in Sternbildern an den Himmel gesetzt.“ Auf der Krone sind nur sechs Edelsteine zu sehen. Da ein Edelstein bei der Flucht abgebrochen ist, erscheint ein Stern weniger hell als die anderen (Quelle: Dühnfort 2011).